Der Eigenverbrauch des Solarstroms sichert eine höhere Förderung
26.04.2010
- Der Eigenverbrauch des Solarstroms sichert eine höhere Förderung
Ab Juli 2010 müssen Bundesbürger genauer rechnen, wenn sie von diesem Stichtag an eine Solaranlage auf dem eigenen Dach in Betrieb nehmen. Zu diesem Termin wird die finanzielle Förderung des durch Sonnenkraft erzeugten Stroms deutlich gekürzt – die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung soll um 16 Prozent sinken. Diese Pläne der Regierungskoalition wurden bereits in erster Lesung im Bundestag beraten.
Allerdings können umweltbewusste Verbraucher mit Hilfe einer vorgesehenen Sonderregelung im neuen Gesetz die finanziellen Einbußen in Grenzen halten.
Denn ab dem 1. Juli gibt es einen deutlichen Bonus für alle, die sich dafür entscheiden, einen Teil des über die Sonnenkraft erzeugten Stroms selbst zu verbrauchen. Ab Juli 2010 gelten dabei folgende Förderbedingungen: Für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Strom soll der Kunde des Energieversorgers 20,88 Cent als Zuschuss erhalten. Da der private Verbraucher mit der Solaranlage auf dem Dach derzeit im Schnitt 20 Cent Stromkosten pro Kilowatt spart, bringt ihm jede selbst genutzte Stromeinheit unterm Strich einen finanziellen Vorteil von insgesamt 40,88 Cent. Der Zuschuss ist damit rund 8 Cent höher als bei der Einspeisung des gesamten, selbst erzeugten Stromes in das öffentliche Netz. In diesem Fall zahlt der Staat ab Juli nämlich 32,88 Cent.
„Aufgrund des geplanten Preisunterschiedes rechnen sich Solaranlagen für Eigenverbraucher besser, auch wenn man für die Investition einen Kredit aufnehmen muss“, sagt Ralf Eibel, Vertriebsvorstand von der PSD-Bank Köln eG. Eventuell erhöht sich der finanzielle Vorteil für Eigenverbraucher in den nächsten Jahren noch weiter, wenn sich der Anstieg des Strompreises fortsetzt. Der Zuschuss des Staates fließt auf jeden Fall unverändert 20 Jahre lang. Aller Erfahrung nach können Bürger über die Sonnenkraft nicht den gesamten Bedarf an Energie decken, denn diese benötigt er auch nachts oder bei schlechtem Wetter.
Doch in diesen Zeiten wird kein oder nur wenig Strom über die Solarzellen produziert. Eine hundertprozentige Nutzung ist deshalb nur theoretisch denkbar. Vielmehr dürften im Alltag je nach privatem Verbrauchsmuster zwischen 25 und 75 Prozent Selbstnutzung möglich sein, prognostizieren Experten. Produziert die Anlage mehr Strom als benötigt, wird der restliche Teil ins öffentliche Netz geleitet, mit der üblichen Einspeise-Förderung. Um den Eigenverbrauchsanteil zu steigern, kann es sich für Solaranlagen-Besitzer künftig lohnen, die Waschmaschine oder den Trockner tagsüber und möglichst nur bei schönem Wetter anzustellen – statt abends, wenn kein Strom aus der Sonne mehr genutzt werden kann.
Auch die Klimaanlage kann dann an heißen Tagen auf voller Kraft laufen, ohne dass es Geld kostet. Im Gegenteil, je mehr selbst erzeugter Strom verbraucht wird, desto höher ist die Förderung und je eher rechnet sich auch die Kredit-Finanzierung der Solaranlage. Dies ist aus ökologischen Gesichtspunkten nicht zwangsläufig sinnvoll, aus ökonomischen Überlegungen aber nachvollziehbar. Wichtig für gewerbliche Nutzer: Geplant ist für diese zwar der gleiche Zuschuss von 20,88 Cent pro Kilowattstunde, und zwar jetzt für Anlagen bis 800 Kilowatt und nicht wie bisher bis 30 Kilowatt. Da Gewerbetreibende aber in der Regel weniger Geld für den Strom zahlen (je nach Region und Tarif oft nur zwischen 12 und 17 Cent), ist der letztliche finanzielle Vorteil geringer.